InFormationen zum neuen Auswahlrecht der Hochschulen

Aktualisierte Ausgabe auf der Homepage des KUMI

Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das mit dem Gesetz zur Änderung auswahlrechtlicher Vorschriften im Hochschulbereich vom 11. Dezember 2002 ein umfassendes Auswahlrecht der Hochschulen eingeführt hat. Erstmals im Zulassungsverfahren für das Wintersemester 2003/2004 werden die baden-württembergischen Hochschulen in Studiengängen mit einer örtlichen Zulassungsbeschränkung 90 Prozent der Studierenden selbst aussuchen. Bislang betrug die Auswahlquote in diesen Studiengängen lediglich 40 Prozent. Die verbleibenden Studienplätze werden wie bisher nach Wartezeit vergeben (zehn Prozent Wartezeitquote).

Die Ausgestaltung der Hochschulauswahlverfahren ist Sache der Hochschulen und wird von diesen im Einzelnen geregelt. Dabei werden die Hochschulen bei der Auswahl wie bisher die Kernfächer Deutsch, Mathematik und eine fortgeführte Fremdsprache berücksichtigen. Daneben können die Hochschulen die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung, vorhandene Berufserfahrungen und abgeleistete Praktika sowie außerschulische Leistungen, das Ergebnis eines schriftlichen Tests oder eines Auswahlgesprächs sowie Einzelnoten in Profil- und Neigungsfächern und in anderen Fächern, die über die Eignung für den Studiengang besonderen Aufschluss geben, heranziehen. Die Hochschulen entscheiden selbst darüber, welche Auswahlkriterien sie anwenden, wie sie diese gewichten und untereinander kombinieren.

Informationen über die Neuregelungen sind im "Kursbuch – Studium Ausbildung" 2002/2003 enthalten. Das Kursbuch, das gemeinsam vom Wissenschaftsministerium und dem Landesarbeitsamt Baden-Württemberg herausgegeben wird, enthält darüber hinaus alle für Schulabgängerinnen und Schulabgänger wichtigen Informationen über vorhandene Studienangebote in Baden-Württemberg und die Voraussetzungen, die ein Studienbewerber oder eine Studienbewerberin vor Aufnahme eines Studiums erfüllt haben muss. Das Kursbuch liegt in den Schulen vor und kann auch im Internet unter der Adresse www.kursbuch-bw.de abgerufen werden. Informationen gibt es ebenfalls auf den Internetseiten des Landesinstituts für Erziehung und Unterricht, insbesondere unter der Adresse www.studieren-in-bw.de. Studieninteressenten, die zum Wintersemester 2003/2004 ein Studium aufnehmen möchten, sollten sich außerdem frühzeitig bei der entsprechenden Hochschule (insbesondere auf deren Internetseiten) über das Auswahlverfahren und die Bewerbungsfristen im Einzelnen erkundigen.

Das neue Verfahren gilt nicht für die Vergabe von Studienplätzen in den Fächern Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie, Biologie, Psychologie und Betriebswirtschaftlehre zum Wintersemester 2003/2004 und Sommersemester 2004. Diese Studiengänge sind bundesweit zulassungsbeschränkt und werden über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) vergeben werden. Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz sollen diese Zulassungsverfahren aber zukünftig ebenfalls durch eine Erhöhung der Hochschulauswahlquote modifiziert werden.

Unverändert bleiben auch die Aufnahmeverfahren bei den Musik- und Kunsthochschulen.

Fragen und Antworten

1. Warum wurde das Zulassungsverfahren geändert?

Mit der Stärkung der Hochschulauswahlquote soll eine bessere Abstimmung zwischen Studierfähigkeit, der Studierneigung und den Anforderungen der Studiengänge an die Studierenden erreicht werden. Außerdem soll die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden und die Betreuungsmentalität der Hochschulen für ihre Studierenden durch eine bewusste Auswahlentscheidung auf beiden Seiten verbessert werden. Ziel ist es letztlich, die Motivation für ein zügiges Studium zu stärken, die Abbrecher- und Fachwechslerquoten zu senken und dadurch die Studienzeiten zu verkürzen.

2. Wann findet ein Auswahlverfahren statt?

Ein Auswahlverfahren findet nur in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen statt, das heißt bei Studiengängen, bei denen ein Bewerberüberhang besteht und wegen fehlender Studienplätze unter allen potenziell geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern eine Auswahl getroffen werden muss. Es geht um die Aufstellung einer Rangfolge unter den Bewerberinnen und Bewerbern. Wird ein Studienplatz im Verlauf des Zulassungsverfahrens frei, weil ein Bewerber seinen Studienplatz nicht annimmt, kann der nächste Bewerber oder die nächste Bewerberin nachrücken.

3. Unterscheiden sich Auswahlverfahren von Eignungsfeststellungsverfahren? Welche Fächer sind einbezogen?

Ja. Beim Eignungsfeststellungsverfahren geht es um die Feststellung der Studierfähigkeit für einen Studiengang, der besondere fachspezifische Anforderungen an die Studierenden stellt. Der Gesetzgeber hat dabei vor allem an Studiengänge wie Architektur, Informatik, international ausgerichtete Studiengänge, Kommunikationswissenschaft, Multimedia oder Musikwissenschaft gedacht. Die Hochschulen sind aber nicht verpflichtet, ein Eignungsfeststellungsverfahren durchzuführen. Nähere Informationen über die Eignungsfeststellungsverfahren und die Eignungskriterien sind von den Hochschulen vor Ort erhältlich.

4. Welche Anforderungen gelten für schriftliche Tests?

Die Anforderungen für einen schriftlichen Test richten sich nach den Anforderungen des Studiengangs, für den der Test eingesetzt wird. Es werden aber keine fachspezifischen Kenntnisse geprüft, die Gegenstand der Abiturprüfung oder einer anderen Prüfung sind, welche die Hochschulreife vermittelt. Je nach Studiengang kommt es mehr auf methodische Fähigkeiten, schlussfolgerndes Denken oder Abstraktionsvermögen als auf spezifisches Fachwissen an.

5. Welche Rolle spielen Durchschnittsnote und Fachnoten des Abiturzeugnisses in den Hochschulauswahlverfahren?

Die Hochschulen werden bei der Auswahl die Kernfächer Mathematik, Deutsch und eine fortgeführte Fremdsprache berücksichtigen. Hiervon können die Hochschulen nur ausnahmsweise abweichen. Daneben können die Hochschulen die Durchschnittsnote und Fachnoten des Abiturzeugnisses oder einer anderen Hochschulzugangsberechtigung berücksichtigen. Die Wahl dieser Kriterien und deren Gewichtung steht den Hochschulen weit gehend frei. Die Noten des Abiturzeugnisses sind auf jeden Fall durch weitere Kriterien zu ergänzen.

6. Inwiefern sind methodische Kompetenzen und Präsentationsfähigkeit in den Auswahlverfahren von Bedeutung?

Methodische Kompetenzen sind vor allem bei schriftlichen Tests von Bedeutung. Sie können gegebenenfalls auch im Rahmen eines Auswahlgesprächs überprüft werden. Die Präsentationsfähigkeit spielt naturgemäß bei Auswahlgesprächen und den so genannten Motivationsschreiben, die in der Regel zur Vorbereitung des Auswahlgesprächs verlangt werden, eine Rolle.

7. Kann man sich an mehreren Hochschulen gleichzeitig bewerben?

Ja. Anders als bei ZVS kann sich jeder Studienbewerber oder jede Studienbewerberin an so vielen Hochschulen bewerben wie er oder sie möchte.

8. Was ist zu beachten, wenn man in einem anderen Bundesland studieren will? Wie unterscheiden sich die Regelungen zur Hochschulzulassung zwischen den Ländern? Wo sind genaue Informationen über die jeweiligen Bestimmungen zu erhalten?

In anderen Bundesländern werden die Studienplätze in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen vorwiegend nach dem Grad der Qualifikation, das heißt nach der Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung und nach Wartezeit vergeben. Einige Bundesländer wie zum Beispiel Bayern und Hessen kennen auch eine Hochschulauswahlquote wie in Baden-Württemberg. Informationen sind bei den zuständigen Wissenschafts- oder Kultusministerien der Bundesländer oder vor Ort bei der jeweiligen Hochschule erhältlich.

9. Wird die ZVS abgeschafft?

Baden-Württemberg hat im Jahr 2001 bei der Kultusministerkonferenz der Länder Vorschläge für eine deutliche Erhöhung der Hochschulauswahlquote eingebracht. Durch diesen politischen Vorstoß des Landes ist es gelungen, dass die Kultusministerkonferenz am 6. März 2003 Eckpunkte für die Neuordnung der Hochschulen beschlossen und sich am 8. Mai 2003 auf eine gemeinsame Gesetzesinitiative der Länder verständigt hat. Die Gesetzesinitiative sieht eine Erhöhung der Hochschulauswahlquote auf 50 Prozent und somit einen Aufgabenwandel bei der ZVS, nicht aber deren Abschaffung vor. Änderungen sind frühestens zum Wintersemester 2004/2005 zu erwarten.